Politischer und technologischer Wandel

Die Clean Air Task Force (CATF) ist eine in den USA ansässige gemeinnützige Organisation, die sich für politischen und technologischen Wandel einsetzt, um den Ausstoß von Treibhausgasen in der Stromerzeugung, in der Öl- und Gasproduktion, im Verkehr und in der Industrie zu reduzieren.

Die CATF spielt oft eine Vorreiterrolle und konzentriert sich auf Themen, die von anderen Umweltschutzorganisationen zum jeweiligen Zeitpunkt noch vernachlässigt werden. In den 1990er Jahren hat eine von CATF konzipierte und mitgestaltete Kampagne dazu geführt, die Emissionen von Kohlekraftwerken in den USA um mehr als 70% zu reduzieren. Später hat sich die CATF erfolgreich für zusätzliche Regulierungen im Rahmen der Öl- und Erdgasförderung eingesetzt, um deren Methanausstoß zu begrenzen, im Jahr 2005 eine Kampagne für saubere Dieselfahrzeuge gestartet und zuletzt die Trump-Regierung verklagt, um die Rücknahme wichtiger Umweltauflagen zu verhindern.  Analysten der Charity-Bewertungsorganisation Founders Pledge schätzen, dass eine Spende an die CATF in Höhe von einem Euro zu einem Rückgang von deutlich mehr als einer Tonne CO2 führen wird.

Das Problem

Knapp drei Viertel der weltweit ausgestoßenen Treibhausgase sind auf energiebedingte Emissionen in den Bereichen Strom, Verkehr, Wärme und Industrie zurückzuführen.[1] Bis Mitte des Jahrhunderts müssen die Energiesysteme weitgehend dekarbonisiert werden, um die globalen Klimaziele zu erreichen. Hierfür ist es notwendig, fossile Energieträger durch CO2-arme Formen der Energieerzeugung zu ersetzen. Neben einem massiven Ausbau erneuerbarer Energien, zu dem Deutschland durch die Energiewende einen wichtigen Beitrag geleistet hat, sind allerdings noch weitere Maßnahmen notwendig, deren Förderung von anderen Institutionen bisher vernachlässigt werden. Dazu gehört, bereits heute die Treibhausgasemissionen aus bestehenden Kohle- und Gaskraftwerken und in der Öl- und Erdgasförderung möglichst gering zu halten. Dazu gehören aber v.a. auch die Entwicklung und der Einsatz von kohlenstoffarmen bzw. -freien Energietechnologien, die die Emissionen aus dem Energie-, Industrie- und Verkehrssektor reduzieren oder sogar ganz beseitigen können, wie beispielsweise die CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) oder erneuerbare Energien der nächsten Generation, wie fortschrittliche Geothermie, moderne Atomkraftwerke der sogenannten IV. Generation, und kohlenstofffreie Kraftstoffe.  CCS spielt beispielsweise auch im Sonderbericht über 1,5 °C globale Erwärmung des Weltklimarates (IPCC) eine wichtige Rolle.[2] Dabei handelt es sich um ein Verfahren zur Abspaltung von CO2 an Kraftwerken oder Industrieanlagen oder auch um die direkte Entnahme von CO2 aus der Luft, um „negative Emissionen” zu erreichen  – also das künstlichen Entziehen von CO2 aus der Atmosphäre und die anschließende Speicherung.  Einerseits wird durch diese Technologie eine längere Nutzung fossiler Brennstoffe ermöglicht, ohne gleichzeitig den CO2-Ausstoß zu erhöhen. Dies macht den Übergang zu dekarbonisierten Energiesystemen insbesondere auch für Entwicklungsländer einfacher, deren steigender Energieverbrauch heute häufig noch aus fossilen Brennstoffen – vor allem auch Kohle – gedeckt wird.  Andererseits geht der IPCC in den meisten seiner Szenarien davon aus, dass „negative Emissionen” notwendig sind, um das 1,5°C-Klimaziel zu erreichen. Die Größenordnung reicht dabei von 100 - 1.000 Milliarden Tonnen CO2 bis zum Ende des Jahrhunderts. Im Vergleich dazu beträgt der aktuelle weltweite Treibhausgas-Ausstoß jährlich etwa 53,5 Milliarden Tonnen.[3] D.h. der geschätzte Speicherbedarf liegt je nach Szenario bei rund 2 - 20 Jahren unserer derzeitigen weltweiten Emissionen. Obwohl CCS also eine entscheidende Rolle spielen kann, um die Folgen des Klimawandels einzudämmen, steckt die entsprechende Technologie sowohl in technischer als auch in ökonomischer Hinsicht noch in den Kinderschuhen.

Die Lösung

Durch Studien, Initiativen und Meinungsführerschaft versucht die CATF gemeinsam mit Partnern aus der Zivilgesellschaft und der Forschung, aus privaten Unternehmen und mit politischen Entscheidungsträgern, die politischen Rahmenbedingungen für eine CO2-ärmere Energieerzeugung zu verbessern. Dies umfasst z.B. die folgenden Ziele: 

    • Das Festlegen von CO2-Grenzwerten für Gas- und Kohlekraftwerke in den USA
    • Die Ermöglichung der kommerziellen Entwicklung und des Einsatzes von neuartigen kohlenstoffarmen und -freien Energietechnologien in der Stromerzeugung, der Industrie und dem Verkehrssektor 
    • Dem Erreichen einer tiefgreifenden Verringerung von klimaschädlichen Super-Schadstoffen wie z.B. Methanemissionen aus der Öl- und Gasindustrie und Ruß aus Dieselfahrzeugen, der Schifffahrt und der Biomasseverbrennung

Im Bereich der CCS konnte die CATF bereits positiv Einfluss auf die Gesetzgebung in den USA nehmen. Sie hatte erheblichen Anteil an der Einführung von Steuergutschriften für die Speicherung von CO2 von bis zu 50 Dollar pro Tonne. Auf diesem Erfolg aufbauend arbeitet die CATF daran, weitere innovationsfördernde Rahmenbedingungen zu schaffen.  Durch die Gründung der Asia Clean Coal Initiative und der Asia Clean Energy Innovation Initiative wurde außerdem die Basis für stärkere internationale Zusammenarbeit und vermehrten Technologieaustausch insbesondere mit China geschaffen. Da erwartet wird, dass sich der dortige Kohleverbrauch in den nächsten 20 Jahren verdoppelt, ist es zwingend notwendig zu verhindern, dass die damit verbundenen CO2-Emissionen nicht vollständig in die Atmosphäre gelangen. Dabei könnte CCS einen entscheidenden Beitrag leisten.

Die Wirkung

Berechnungen der Initiative Founders Pledge zufolge hat die bisherige Arbeit der CATF dazu beigetragen, dass ca. 116 Millionen Tonnen CO2 bzw. CO2-Äquivalente vermieden werden konnten. Darüber hinaus haben die Maßnahmen auch zu einem reduzierten Ausstoß weiterer Schadstoffe geführt, was schätzungsweise 26.000 vorzeitige Todesfälle durch Luftverschmutzung verhindert hat. Founders Pledge erwartet, dass die künftige Arbeit der CATF mindestens so kosteneffektiv sein wird wie die bisherigen Projekte. Die Kosten für die künftige Vermeidung einer Tonne CO2 werden auf 0,29 Dollar geschätzt (innerhalb einer Spannbreite von 0,03 Dollar pro Tonne unter den optimistischsten Annahmen bis 5,50 Dollar pro Tonne unter den vorsichtigsten Annahmen).[4] Allerdings weist Founders Pledge auch daraufhin, dass diese Schätzungen sehr unsicher sind. Die Berechnungen können im Detail hier nachvollzogen werden.

Die Organisation

Die Clean Air Task Force (CATF) ist eine 1996 gegründete gemeinnützige Organisation mit Sitz in Boston, die sich für die Reduzierung von Treibhausgasen und anderen Schadstoffen einsetzt. Seit Gründung hat die CATF Gesetzgeber und Regulierungsbehörden in den USA, aber auch Kanada und Mexiko dabei unterstützt, die politischen Rahmenbedingungen für eine CO2-ärmere Energieerzeugung zu schaffen. Die CATF erkannte dabei frühzeitig, dass Energieeffizienz und erneuerbare Energien wie Wind und Sonne allein die globale Erwärmung nicht im erforderlichen Maße bremsen können. Die CATF begann daher, eine breitere Palette von Technologie- und Systempfaden zur Lösung der Klimakrise zu erforschen, die sowohl CO2- als auch andere Treibhausgasemissionen aus der Stromerzeugung, der Produktion fossiler Brennstoffe, dem Verkehr und der Industrie berücksichtigen. Founders Pledge empfiehlt die CATF als eine von 2 Organisationen im Bereich Klimawandel.

Bei der industriellen Verarbeitung von Öl und Gas kommt es auch zu hohen Methanemissionen die besonders klimaschädlich sind. Die CATF hat hier erfolgreich für eine stärkere Regulierung gekämpft.
Bei der industriellen Verarbeitung von Öl und Gas kommt es auch zu hohen Methanemissionen die besonders klimaschädlich sind. Die CATF hat hier erfolgreich für eine stärkere Regulierung gekämpft.
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Evaluierung von Founders Pledge

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Quellen

[1] ↑ Global Historical Emissions. Climate Watch.https://www.climatewatchdata.org/ghg-emissions?breakBy=sector&chartType=percentage&sectors=509. [2] ↑ 1,5 °C Globale Erwärmung. Intergovernmental Panel on Climate Change.https://www.de-ipcc.de/media/content/SR1.5-SPM_de_barrierefrei.pdf. 2018. [3] ↑ Emissions Gap Report 2018. United Nations Environment Programme.https://wedocs.unep.org/bitstream/handle/20.500.11822/26895/EGR2018_FullReport_EN.pdf?. November 2018.

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