Vorbeugende Medikamente gegen Malaria

Malaria verursacht immenses Leid. Jedes Jahr werden hunderte Millionen Menschen durch den Biss eines Moskitos infiziert. Hunderttausende Menschen sterben. Nahezu drei Viertel von ihnen sind Kinder unter 5 Jahren. Für schwangere Frauen in Risikogebieten ist Malaria die Todesursache #1. Das Malaria Consortium verhindert großes Leid und rettet Leben, indem es Kinder während der etwa viermonatigen Regensaison, in der die Moskitos besonders aktiv sind, mit vorbeugenden Medikamenten versorgt.

Für weniger als sieben Dollar kann ein Kind über diese Zeit geschützt werden. Die enorme Wirkung dieser Programme ist durch zahlreiche Studien belegt.

Das Problem

Jedes Jahr erkranken weltweit immer noch mehr als 200 Millionen Menschen an Malaria, vor allem auf dem afrikanischen Kontinent. Für fast 450.000 von ihnen endet die Krankheit tödlich, 70% der Todesopfer sind Kinder unter fünf Jahren.[1] Jedes zehnte Kind, das weltweit stirbt, stirbt an Malaria; in Sub-Sahara-Afrika ist es sogar jedes fünfte.[2] Auch bei einem nicht tödlichen Verlauf der Krankheit leiden die Menschen enorm. Neben grippeähnlichen Symptomen kann Malaria zu dauerhaften Einschränkungen des Sehvermögens, des Gehörs oder zu Epilepsie führen. Die Lebenssituation der Erkrankten verschlechtert sich nicht nur, weil sie Geld für Arztbesuche und Medikamente aufbringen müssen, sondern auch, weil sie während eines akuten Schubs weder zur Schule noch zur Arbeit gehen können.

Die Lösung

In vielen Ländern hängt das Risiko an Malaria zu erkranken von der Saison ab. So gilt die Regenzeit, in der es deutlich mehr Moskitos gibt, als Hochsaison für Malariainfektionen. Auf diesen Zeitraum konzentriert sich das Malaria Consortium mit der sogenannte Saisonalen Malaria-Chemoprävention. Hierbei werden die Malariamedikamente Sulfadoxin-Pyrimethamin und Amodiaquin verabreicht, um einer Infektion vorzubeugen. Es handelt sich um eine von der WHO empfohlene, bewährte, effektive und kostengünstige Maßnahme, um eine Erkrankung mit Malaria zu verhindern.[3] Signifikante Nebenwirkungen sind nicht bekannt. Das Malaria Consortium unterstützt die Ausbildung von Mitarbeitern, die Kindern in ihrem Zuhause die notwendigen Medikamente verabreichen. Die Familien der Kinder werden während der Malariasaison viermal besucht – jeweils im Abstand von einem Monat. Dabei sind die Mitarbeiter angewiesen, die erste Dosis der Medikamente selbst zu verabreichen und zwei weitere Dosen den Eltern zu übergeben. Diese sollen dann in den darauffolgenden Tagen die Einnahme durch die Kinder sicherstellen. Laut GiveWell kostet es das Malaria Consortium knapp 7 Dollar, um ein Kind für den gesamten von der WHO empfohlenen Präventionszeitraum von vier Monaten zu schützen.[4]

Die Wirkung

Mehrere randomisierte kontrollierte Studien zeigen, dass Malaria-Chemoprävention das Auftreten von Malaria wirksam verringert.[5] Laut einer renommierten “Cochrane-Analyse”, die verschiedene Studien aggregiert ausgewertet hat, konnten mithilfe von Chemopräventionsprogrammen ungefähr 75% aller klinischen Malaria-Fälle vermieden werden. Im Fall einer dennoch auftretenden Malariaerkrankung führt die Prävention dazu, dass der Verlauf weniger schwerwiegend ist – das Risiko von Blutarmut etwa, einer häufigen Begleiterscheinung von Malaria, scheint niedriger zu sein.[6] Auch die wirtschaftlichen Vorteile eines Rückgangs von Malaria-Infektionen sind immens: Jeder Dollar, der in afrikanischen Ländern für Anti-Malaria Aktivitäten ausgegeben wird, erhöht das Bruttoinlandsprodukts des jeweiligen Landes um 6,75 Dollar – ein außerordentlich hoher Wert.[7]

Die Organisation

Das Malaria Consortium wurde 2003 gegründet und arbeitet daran, die Ausbreitung von Malaria und anderen Krankheiten in Afrika und Asien einzudämmen. Aktuell ist das Malaria Consortium in 12 Ländern tätig. Die Chemopräventionsprogramme der Organisation wird vor allem in der Sahel-Region auf dem afrikanischen Kontinent durchgeführt.  Bisher konnte das Malaria Consortium so mehr als 10 Millionen Fälle von Malaria verhindern.[8] Die Organisation führt selbst Forschung durch und arbeitet eng mit Regierungen zusammen, um die jeweiligen Gesundheitssysteme operativ und technisch zu unterstützen. GiveWell führt das Malaria Consortium seit 2016 als „Top-Hilfsorganisation“. Die Wirksamkeit von Chemopräventionsprogrammen wurde in zahlreichen, unabhängigen Untersuchungen nachgewiesen. Die Organisation selber zeichnet sich durch hohe Transparenz und hohe Kosteneffektivität aus. Sie verfügt außerdem noch über Wachstumspotential. GiveWell geht davon aus, dass das Malaria Consortium bis 2023 zusätzliche Spenden in Höhe von 44,7 Millionen Dollar benötigt um seine Programme in Burkina Faso, Tschad, Nigeria und Togo fortzuführen und auszubauen.

3 Kinder die ein präventives Malariamedikament erhalten haben.
Drei Kinder aus der Region Zorgho in Burkina Faso die vorbeugende Malariamedikamente erhalten haben und sich daher nicht mit der potentiell tödlichen Krankheit infizieren werden. (Foto: Malaria Consortium/S. Garcia)

Fragen und Antworten

Gibt es Nebenwirkungen?

Laut der WHO sind die Malariamedikamente, die für die Chemoprävention eingesetzt werden, in der empfohlenen Dosierung für Babys und Kleinkinder sicher. Nebenwirkungen sind äußerst selten: Im Senegal, wo fast 800 000 Behandlungen mit Sulfadoxin-Pyrimethamin und Amodiaquin im Rahmen von Saisonalen Malaria-Chemopräventionen durchgeführt wurden, konnten auch bei intensiver Überwachungen keine signifikanten Nebenwirkungen beobachtet werden, welche auf diese Medikamente zurückzuführen sind.[9] In der Cochrane-Auswertung mit 9.533 Teilnehmern wurde von keiner einzigen Nebenwirkung berichtet.[6] Das Malaria Consortium selber hatte in der Vergangenheit im Rahmen seiner Monitoring-Aktivitäten davon berichtet, dass es nach der Einnahme der Medikamente stellenweise zu Übelkeit und Erbrechen gekommen war. Dies wurde mit den bitteren und schwer zu schluckenden Tabletten erklärt. Seitdem wasserlösliche Tabletten mit Orangengeschmack verwendet werden, treten diese Nebenwirkungen praktisch nicht mehr auf. Sehr selten wurden außerdem Fälle von Durchfall, Juckreiz, Kopfschmerzen, leichte Bauchschmerzen und Ausschlag beobachtet.

Warum wird die Prävention nicht ganzjährig durchgeführt?

Auch außerhalb der Hochsaison treten Malariafälle auf, eine ganzjährige Medikamenteneinnahme ist aber aus verschiedenen Gründen nicht ratsam: Zum einen könnte das Risiko bestehen, dass eine kontinuierliche, mehrjährige Einnahme der Medikamente durch Kleinkinder noch nicht erforschte Nebenwirkungen hat. Außerhalb der Hochsaison erscheint der Schutz durch Moskitonetze daher geeigneter (auch während der Hochsaison ist ein zusätzlicher Schutz durch Moskitonetze natürlich sinnvoll). Zum anderen erhöht eine ganzjährige Einnahme das Risiko, dass die Moskitos im Laufe der Zeit gegen die Anti-Malaria-Medikamente resistent werden können.[5]

Wie werden die Kosten von knapp 7 Dollar pro viermonatiger Behandlung berechnet?

Die 6,59 Dollar pro viermonatiger Behandlung pro Kind beziehen sich auf die gewichteten Durchschnittskosten aller vom Malaria Consortium unterstützten Behandlungen aus den Jahren 2015 - 2019. Dabei wurde bereits berücksichtigt, dass nicht alle Kinder in allen Monaten die Medikamente eingenommen haben. In den Kosten sind sowohl die Kosten der Medikamente, des Gesundheitspersonals sowie sämtliche Kosten für Administration und Verwaltung sowohl von Malaria Consortium als auch von an den Programmen beteiligten Regierungen enthalten, wobei letztere nicht von Malaria Consortium übernommen werden. Die Berechnungen können im Detail hier nachvollzogen werden.

Wird meine Spende eventuell für andere Programme des Malaria Consortiums genutzt?

Wir empfehlen, angelehnt an die Ergebnisse des renommierten Forschungsinstituts GiveWell, explizit an das Programm zur Saisonalen Malaria-Chemoprävention des Malaria Consortiums zu spenden, da deren Wirksamkeit von unabhängigen, wissenschaftlichen Studien belegt ist und eine herausragende Kosteneffektivität nachgewiesen werden konnte. Deshalb leiten wir alle Spenden zweckgebunden weiter, d.h. sie werden ausschließlich für Saisonalen Malaria-Chemoprävention eingesetzt.

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Evaluierung von GiveWell

Zur Webseite des Malaria Consortium

Quellen

[1] ↑ Fact Sheet on Malaria. Weltgesundheitsorganisation.http://www.who.int/en/news-room/fact-sheets/detail/malaria. Juni 2018. [2] ↑ Max Roser and Hannah Ritchie. Malaria. Our World in Data.https://ourworldindata.org/malaria#note-1. Dezember 2017. [3] ↑ Seasonal malaria chemoprevention (SMC). Weltgesundheitsorganisation.https://www.who.int/malaria/areas/preventive_therapies/children/en/. Mai 2017. [4] ↑ Top Charities - Malaria Consortium. GiveWell.https://www.givewell.org/charities/malaria-consortium. November 2020. [5] ↑ Seasonal Malaria Chemoprevention. GiveWell.https://www.givewell.org/international/technical/programs/seasonal-malaria-chemoprevention. November 2018. [6] ↑ Meremikwu MM, Donegan S, Sinclair D, Esu E, Oringanje C. Intermittent preventive treatment for malaria in children living in areas with seasonal transmission. Cochrane database of systematic reviews.https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22336792. Februar 2012. [7] ↑ William Jobin. Suppression of malaria transmission and increases in economic productivity in African countries from 2007 to 2011. MalariaWorld Journal. Vol 5. No. 4.https://malariaworld.org/sites/default/files/mwjournal/article/MWJ2014_5_4.pdf. März 2014. [8] ↑ Continuing the fight to shrink the malaria map in the Sahel. Malaria Consortium.https://www.malariaconsortium.org/news-centre/continuing-the-fight-to-shrink-the-malaria-map-in-the-sahel.htm. Juli 2018. [9] ↑ Seasonal Malaria Chemoprevention with sulfadoxine–pyrimethamine plus amodiaquine in children. Weltgesundheitsorganisation.https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/85726/9789241504737_eng.pdf. Juli 2013.

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