von Sebastian Schwiecker

Immer wieder liest man , dass Entwicklungshilfe nichts bringen würde oder sogar kontraproduktiv sei. Zwar ist der Anteil der Menschen die in extremer Armut leben von über 40% Anfang der 1980er Jahre auf zuletzt “nur” noch 10% gesunken , aber das sei trotz und nicht wegen der Entwicklungshilfe passiert und läge sowieso nur an China. Statt das Leid der Menschen zu reduzieren würden die Hilfsgelder aus dem Westen nur korrupte Regime am Leben halten und jegliche Eigeninitiative der Empfängerländer im Keim ersticken. Obwohl in den letzten Jahrzehnten Unsummen investiert wurden gäbe es keine ursächlich auf diese Unterstützung zurückzuführenden Erfolge.

Würde wir von effektiv-spenden.org uns dieser pauschalen Kritik anschließen müssten wir unser Projekt vermutlich einstellen, werben wir doch explizit für Spenden an Organisation die im Bereich der Entwicklungshilfe tätig sind. Das tun wir aber nicht und ich glaube aus guten Gründen.

Zum einen ist es notwendig die Kritik differenzierter zu betrachten, dann wird schnell klar, dass einige Vorwürfe schlicht nicht stimmen. So ist die extreme Armut beispielsweise auch außerhalb Chinas in den letzten Jahren auf beeindruckende Weise zurückgegangen . Auch die “Unsummen” die geflossen seien muss man ins Verhältnis setzen. Seit den 1950er Jahren sind rund 2 Billionen Dollar Entwicklungshilfe nach Afrika geflossen. Das klingt nach viel Geld und das ist es auch. Unterm Strich liegt dieser Betrag jedoch unter den Kosten der Deutschen Einheit. Kann man wirklich erwarten dafür einen ganzen Kontinent nachhaltig aus der Armut zu führen? Dazu kommt, dass insbesondere die staatliche Entwicklungshilfe stets mehrere Ziele auf einmal verfolgt. Das leben von Menschen in extremer Armut zu verbessern ist dabei nur eines von vielen und leider zu oft nicht das primäre wie ich während meiner Zeit in der KfW-Entwicklungsbank selber miterleben musste. Eigentlich muss man sich doch nicht wundern, wenn man nicht erreicht was man nicht wirklich versucht. Trotzdem gibt es in der Entwicklungshilfe viele Erfolgsgeschichten, insbesondere im Bereich der Gesundheit. So sind vor allem durch Impfkampagnen seit den letzten Erkrankungen im Jahr 1977 in Somalia keine neuen Pockenfälle mehr aufgetreten und 1980 wurde die Welt als pockenfrei deklariert. Ähnlich könnte es bald dem Guineawurm ergehen. Während 1986 noch 3,5 Millionen Infektionen gezählt wurden, waren 2018 weltweit nur noch 28. Die Entwicklungshilfe hat hier ebenfalls eine maßgebliche Rolle gespielt. Auch in der Bekämpfung von Malaria konnten, nicht zuletzt durch die Verteilung von Moskitonetzen und vorbeugenden Medikamenten, in den letzten Jahren enorme Erfolge verzeichnet werden, wie diese Grafik anschaulich verdeutlicht:

Es lassen sich aber natürlich auch viele Beispiele finden in denen Entwicklungshilfe wenig oder nichts gebracht hat. Allein der Bereich der Katastrophenhilfe ist voll davon und auch bezüglich der staatlichen Entwicklungspolitik halten wir uns mit Kritik nicht zurück. Das ist aus meiner Sicht aber kein Grund nicht zu helfen, sondern sich noch mehr Gedanken darüber zu machen wie diese Hilfe genau aussehen sollte. Das sehen viele der prominentesten Gegner der Entwicklungshilfe nicht anders. So schreibt der Ökonom William Easterly in seinem Buch “Wir retten die Welt zu Tode” folgendes:

Sobald der Westen bereit ist, dem Einzelnen zu helfen anstelle der Regierungen, werden sich manche der Knoten, die die Entwicklungshilfe jetzt lahm legen, auflösen. […] Doch ist sie erst von der unmöglichen Aufgabe befreit, eine allgemeine wirtschaftliche Entwicklung herbeizuführen, kann Entwicklungshilfe das Leid der Armen weit effektiver lindern als heute. Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche: die Erfüllung der offensichtlichen Bedürfnisse der Armen durch Impfstoffe, Antibiotika, Nahrungsergänzungsmittel…

Das könnte man fast als Aufruf verstehen die auf effektiv-spenden.org empfohlenen Organisationen zu unterstützen. So konzentriert sich GiveDirectly darauf extrem Armen Menschen direkt Geld zukommen zu lassen. Über dieses können sie dann frei verfügen, denn niemand kennt ihre Bedürfnisse besser als sie selbst. Das Malaria Consortium und Deworm the World hingegen setzen sich für ganz grundlegende Gesundheitsinterventionen ein wie sie auch Professor Easterly empfiehlt.

Ein weiterer prominenter Entwicklungshilfeskeptiker, der Wirtschaftsnobelpreisträger Angus Deaton nimmt Gesundheitsprogramme ebenfalls von seiner Kritik aus. In seinem Buch “Der Grosse Aufbruch” heißt es

Diese Gesundheitskampagnen, sogenannte ‘vertikale Gesundheitsprogramme’, haben Millionen von Menschenleben gerettet. Weitere vertikale Initiativen sind die erfolgreiche Kampagne zur Weltweiten Ausrottung der Pocken; die Kampagne gegen die Flußblindheit, die gemeinsam von der Weltbank, dem Carter Center, der WHO und Merck durchgeführt wurde; und die laufende, noch nicht abgeschlossene Ausrottung der Kinderlähmung.

Später schreibt er:

Es kann durchaus Fälle geben, in denen die Auslandshilfe zumindest nach der Abwägung von Schaden und Nutzen insgesamt Gutes bewirkt. Dass dies möglich ist, habe ich bereits am Beispiel der Hilfsbemühungen zur Verbesserung der Gesundheit in armen Ländern gezeigt.

An anderer Stelle macht er wie ich den Unwillen staatlicher Akteure den Kampf gegen die Armut wirklich in das Zentrum der Entwicklungshilfe zu rücken dafür verantwortlich, dass noch nicht mehr erreicht wurde.

Dass die gegenwärtige Entwicklungshilfe nicht geeignet ist, die Armut in der Welt zu beseitigen, liegt unter anderem daran, dass sie es kaum einmal versucht … in den meisten Fällen orientiert sich die Hilfe weniger an den Bedürfnissen der Empfänger, als an den innenpolitischen und internationalen Interessen des Geberlands.

Auch Dambisa Moyo die 2011 mit ihrem Buch “Dead Aid: Warum Entwicklungshilfe nicht funktioniert und was Afrika besser machen kann” für Aufsehen gesorgt hat, kritisiert explizit nicht die Ansätze zu helfen wie wir sie auf effektiv-spenden.org empfehlen:

Doch in diesem Buch geht es weder um die Notfallhilfe, noch um die Arbeit der Wohltätigkeitsorganisationen … die durchaus bedeutenden Summen, die hier fließen, sind im Vergleich zu den Milliarden, die jedes Jahr direkt an die Regierungen armer Länder überwiesen werden, doch nur kleine Fische.

Insgesamt kann man also festhalten, dass es durchaus ernstzunehmende Kritik, insbesondere an der staatlichen Entwicklungshilfe gibt, diese aber nicht auf die von uns empfohlenen Top-Organisationen zutrifft. Wer diese mit einer Spende unterstützt kann sich sehr sicher sein nicht nur keinen Schaden anzurichten, sonder Menschen in Not auf sehr effektive Weise zu helfen.


Sebastian Schwiecker

Ich bin Gründer und Geschäftsführer von effektiv-spenden.org. Wenn du Fragen oder Feedback zu dem Artikel hast schreib mir einfach eine E-Mail oder ruf mich unter 0176/23570281 an. Gerne kannst du auch eine kostenlose Spendenberatung vereinbaren.