von Sebastian Schwiecker

Auf effektiv-spenden.org versuchen wir ganz konkrete Antworten auf die Frage zu geben, wie man mit seiner Spende die größtmögliche Wirkung erzielen, also wo man pro Euro am meisten helfen kann.

Wenn ich von dieser Mission erzähle, höre ich oft: Sowas muss es doch bestimmt schon geben. Leider ist das in Deutschland nicht der Fall. Zwar gibt es mit dem Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) und PHINEO zwei Institutionen die Hilfsorganisationen bewerten, aber in der Herangehensweise gibt es grundsätzliche Unterschiede zu effektiv-spenden.org.

Das 1893 gegründete DZI vergibt seit 1992 das DZI-Spenden-Siegel. Um dieses zu erhalten, muss sich eine Organisation einer jährlichen Prüfung unterziehen. Werden die DZI-Standards eingehalten, erhält die Organisation das DZI-Spenden-Siegel für die nächsten 4 Quartale. Die folgenden 3 Punkte stehen dabei im Vordergrund:

  • Die Spendenwerbung ist wahr, eindeutig und sachlich.
  • Die Spendengelder werden zweckgerichtet, sparsam und wirtschaftlich verwendet.
  • Die Organisation verfügt über funktionierende Planung und Kontrolle.

Ohne Frage sind das Kriterien, die von einer Organisation, die nachhaltig hocheffektive Hilfe leisten will, notwendiger Weise erfüllt sein müssen. Hinreichend sind sie allerdings nicht. Voraussetzung hierfür wäre es, die erzielte Wirkung der jeweiligen Hilfsorganisation zu untersuchen und diese ins Verhältnis nicht nur zu den Kosten, sondern auch zu anderen Organisationen zu setzen. Beides macht das DZI nicht. Dies wird nicht zuletzt dann deutlich, wenn man sich die online abrufbaren Informationen zu den Organisationen mit DZI-Spenden-Siegel anschaut. Auf dem Profil der Organisation World Vision, deren Gesamteinnahmen 2017 bei mehr als 110 Millionen Euro lag, liest sich der vollständige Absatz zum Thema Mittelverwendung wie folgt:

Der Anteil der Werbe- und Verwaltungsausgaben an den Gesamtausgaben ist nach DZI-Maßstab angemessen („angemessen“ = 10% bis unter 20%). Die Wirksamkeit des Mitteleinsatzes wird überprüft, und die Ergebnisse werden dokumentiert und veröffentlicht.

Eine Prüfung der erzielten Wirkung durch das DZI selber findet also nicht statt. Insgesamt sind die öffentlich zugänglichen Informationen mit weniger als 500 Wörtern pro geprüfter Organisation sehr knapp. Zum Vergleich seien die Evaluationen von GiveWell genannt, auf denen die Empfehlungen von effektiv-spenden.org basieren. Hier sind selbst einige der oftmals mehr als 100 Fußnoten länger als die kompletten Organisationsprofile auf der Webseite des DZI.

Durch diese oberflächliche Betrachtung und die Vielzahl an Organisationen mit DZI-Spenden-Siegel, zuletzt deutlich über 200, wird interessierten Spenderinnen nur begrenzt Orientierung gegeben. Die in den Medien gerne genutzte Bezeichnung des DZI als „Spenden-TÜV“ mag zwar passen, man sollte sich aber bewusst machen, dass Aufgabe des TÜV ist verkehrsuntaugliche Kraftfahrzeuge vom Straßenverkehr auszuschließen und nicht darüber zu urteilen, was das im Verhältnis zu seinen Kosten beste Auto ist.

Die Spendensiegel vom DZI und von PHINEO.
Die Spendensiegel vom DZI und von PHINEO. (Quelle: PHINEO / CC)

Anders verhält es sich beim 2009 gegründeten Beratungshaus PHINEO. Dieses vergibt seit 2010 das sogenannte Wirkt-Siegel, welches sich nach eigener Aussage von dem DZI-Spendensiegel vor allem darin unterscheidet, dass es eine „Differenzierte Bewertung des Wirkungspotenzials und der Qualität des Projekts” vornimmt. Trotz dieses Fokus auf das Wirkungspotenzial (nicht auf Wirkung!) hilft auch PHINEO dem Privatspender nur begrenzt dabei, zu entscheiden, wo er mit seiner Spende am meisten bewirken kann. Zum einen konzentriert sich PHINEO ausschließlich auf Projekte, die in Deutschland tätig sind. Dadurch werden die aus Sicht von effektiv-spenden.org wirksamsten Ansätze von vornherein ausgeschlossen. Denn gemäß unserer Überzeugung, kann man in sehr armen Ländern mit jedem Euro mehr erreichen als hierzulande. Zum anderen vergleicht PHINEO die geprüften Organisationen nicht untereinander. Das Beratungshaus spricht also keine klare Empfehlung aus, welches der aktuell 251 Projekte mit Wirkt-Siegel man am ehesten mit seiner Spende bedenken sollte.

Dass es auch innerhalb der Organisationen mit Wirkungspotenzial große Unterschiede gibt, wurde 2013 klar. Damals entschied der Hauptförderer des Mentoringprogramms Big Brothers Big Sisters Deutschland dieses einzustellen, um sich stattdessen auf die Förderung eines anderen Mentoringprogrammes, Balu und Du, zu konzentrieren. Grund hierfür war, dass letzteres nur einen Bruchteil der Kosten für die Erbringung der gleichen Leistungen verursacht hat. Beide Organisationen waren jedoch im Vorfeld mit dem Wirkt-Siegel ausgezeichnet worden. Vermutlich haben auch beide gewirkt. Wer sich als Spenderin jedoch nicht damit begnügen will, überhaupt zu positiver Veränderung beizutragen, sondern das Ziel verfolgt, mit den eingesetzten Ressourcen so viel wie möglich so effektiv wie möglich zu bewegen, der bietet auch das Wirkt-Siegel wenig Unterstützung.

Das alles bedeutet nicht, dass wir von effektiv-spenden.org keine Fehler machen, oder unsere Empfehlungen naturwissenschaftliche Objektivität für sich beanspruchen können. Wir sind aber der festen Überzeugung, dass es ceterus paribus besser ist, mehr Menschen zu helfen als weniger. Um dies zu tun, muss man damit beginnen, die richtige Frage zu stellen, nämlich: Wen soll ich unterstützen, um meine Wirkung zu maximieren? Bisher hat das in Deutschland niemand gemacht. Wir wollen das ändern!


Sebastian Schwiecker

Ich bin Gründer und Geschäftsführer von effektiv-spenden.org. Wenn du Fragen oder Feedback zu dem Artikel hast schreib mir einfach eine E-Mail oder ruf mich unter 0176/23570281 an. Gerne kannst du auch eine kostenlose Spendenberatung vereinbaren.