Tierleidfreie und umweltfreundliche Alternativen

Das Good Food Institute (GFI) fördert die Entwicklung und Vermarktung wettbewerbsfähiger Alternativen zu tierischen Erzeugnissen und hat das Ziel, sie langfristig durch tierleidfreie und umweltfreundliche Produkte zu ersetzen.

Dafür unterstützt das GFI weltweit Start-ups bei der Gründung und bietet rechtliche, wissenschaftliche und strategische Beratung. Es hilft der Politik, die Wettbewerbsbedingungen für Alternativen zu verbessern und arbeitet mit Universitäten, Unternehmen und Regierungen zusammen, um mehr Ressourcen für die Forschung zu mobilisieren.

Das Problem

Prognosen zeigen, dass bis 2050 mehr als 9 Milliarden Menschen auf der Erde leben werden und der weltweite Fleischkonsum um 80% ansteigen wird.[1] Wenn dieser Anstieg ungebremst stattfindet, wird dies katastrophale Konsequenzen für die Tiere, unser Klima, die Umwelt und die Ernährungssicherheit haben. Schon heute ist die globale Tierhaltung für 14,5% der globalen Treibhausgasemissionen[2] und 80% der Regenwaldrodung verantwortlich.[3] Sie verschärft außerdem die globale Wasserknappheit, verunreinigt das Grundwasser und führt zum Absterben großer Teile der Ozeane. Obwohl tierische Produkte nur 17% der Energie- und 33% der menschlichen Proteinzufuhr decken, verbraucht die Tierhaltung 77% der landwirtschaftlich genutzten Fläche.[4]  Zudem begünstigt die Massentierhaltung das Entstehen von multiresistenten Keimen durch die übermäßige Nutzung von Antibiotika. Allein daran werden Prognosen zufolge im Jahr 2050 mehr als 10 Millionen Menschen sterben.[5] Eine starke Reduktion des Konsums von tierischen Produkten wäre eine offensichtliche Lösung, allerdings ist trotz konstanter Warnungen von Wissenschaft und Tierschutzorganisationen der weltweite Fleischkonsum so hoch wie nie zuvor. Auch die Anzahl der Veganer und Vegetarier ist seit Jahrzehnten relativ unverändert. Während pflanzliche Milch ca. 10% des deutschen Milchmarkts ausmacht, ist der Marktanteil von pflanzlichem Fleisch mit knapp 1% noch verschwindend gering. Dies liegt auch daran, dass der Verzicht auf Tierprodukte von den meisten Menschen noch immer mit einem Rückgang an Lebensqualität verbunden wird.

Die Lösung

Das GFI ist der Ansicht, dass Alternativprodukte herkömmlichem Fleisch in den Bereichen Geschmack, Preis und Verfügbarkeit ebenbürtig sein müssen, um von einem Großteil der Bevölkerung akzeptiert zu werden. 

„Was wir tun müssen, ist, das Fleisch zu produzieren, das die Menschen lieben, aber (...) auf eine ganz neue Weise“
Bruce Friedrich (Gründer und Geschäftsführer von GFI)

Welche Ersatzprodukte sind vielversprechend?

1. Pflanzliche ErsatzprodukteFür ihre Herstellung und Entwicklung werden die Bestandteile und Geschmacksträger von Fleisch bis auf die Molekülebene erforscht und dann pflanzliche Stoffe gesucht, die diesen Charakteristika möglichst nahe kommen. 2. Kultiviertes FleischAus einer kleinen Probe tierischer Zellen werden in einem Nährmedium direkt die gewünschten Fleisch- oder Fischteile gezüchtet. Das Ergebnis ist kultiviertes Fleisch, das mit herkömmlichem Fleisch vollkommen identisch ist, aber nur einen Bruchteil der negativen Nebeneffekte mit sich bringt.

In beiden Bereichen unterstützt das GFI Startups, Konzerne und Wissenschaftler, um die Entwicklung und Einführung wettbewerbsfähiger Alternativen zu beschleunigen. Diese würden auch die Durchsetzbarkeit strengerer Tierschutzgesetze vereinfachen, da sie mit weniger Verzicht durch den Konsumenten verbunden wären. Eine weitere Maßnahme, um pflanzlichen Alternativprodukten zum Durchbruch zu verhelfen, besteht darin, sicherzustellen, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen gegeben sind. Zum einen um für Planungssicherheit bei der Entwicklung neuer Technologien wie beispielsweise kultiviertem Fleisch zu sorgen, und zum anderen um Zensurgesetzgebung zu verhindern, die herkömmlichem Fleisch unverhältnismäßige Wettbewerbsvorteile verschaffen würden.

Die Wirkung

Obwohl das GFI erst 2015 gegründet wurde, kann es schon einige Erfolge vorweisen. Es pflegt den Dialog zu Fleischproduzenten, Restaurantketten, Supermärkten und Caterern und hat schon über 200 Unternehmen beraten. Mehrere Nahrungsmittelkonzerne wie z.B. Tyson Foods wurden dabei unterstützt, pflanzliche Alternativprodukte zu entwickeln oder, im Falle von Kellogg’s, bisher lediglich vegetarische Produktlinien künftig komplett pflanzlich zu produzieren.[6] Zudem stärkt das GFI das Verbraucherrecht und erleichtert Alternativprodukten so den Marktzugang. So hat das GFI 2018 den Bundesstaat Missouri verklagt, da dieser u.a. den Begriff “Veggie Burger” verbieten will, weil dies zur Verwechslungsgefahr mit Burgern aus herkömmlichem Fleisch führen könne. Ähnliche Verfahren wurden in insgesamt 25 Bundesstaaten angestrebt, wobei 14 bereits gewonnen werden konnten. Ein weiterer Erfolg besteht darin, dass das GFI einen regulatorischen Rahmen für kultiviertes Fleisch geschaffen hat, der bereits von Indien, Großbritannien und Singapur übernommen wurde. Darüber hinaus hat das GFI selber wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht und kooperiert mit zahlreichen Forschungsinstituten und Universitäten. So hat man zusammen mit der Stanford University und der University of California, Berkeley einen, auch öffentlich zugänglichen, Online-Kurs zu pflanzlichem und kultiviertem Fleisch entwickelt.[7]

Die Organisation

GFI ist eine in den USA ansässige gemeinnützige Organisation, die dort im Oktober 2015 von Bruce Friedrich in Zusammenarbeit mit Mercy For Animals gegründet wurde. Seitdem ist das GFI auf über 70 Mitarbeiterinnen angewachsen und hat inzwischen auch eigene Büros für Indien, Brasilien, Europa und den asiatisch-pazifischen Raum. Die Charity-Bewertungsorganisation Animal Charity Evaluators zeichnet das GFI seit mehreren Jahren als „Top-Organisation“ aus und lobt die strategische Vision, den Fokus auf Effektivität und die internationale Ausrichtung. Es wird geschätzt, dass das GFI von einer Spende in Höhe von 1.000 Euro etwa 278 Euro für die Expansion in weitere Länder, 257 Euro für Forschungszuschüsse, 192 Euro für Rechtsberatung, 138 Euro für Forschung und 134 Euro für Öffentlichkeitsarbeit ausgeben würde.

Bruce Friedrich, der Geschäftsführer des Good Food Institutes gibt einen TED-Talk mit dem Titel
Bruce Friedrich, der Geschäftsführer des Good Food Institutes gibt einen TED-Talk mit dem Titel "The next global agricultural revolution". (Foto: © The Good Food Institute)
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Quellen

[1] ↑ Ranganathan, Janet, et al. Shifting diets for a sustainable food future. World Resources Institute.https://wriorg.s3.amazonaws.com/s3fs-public/Shifting_Diets_for_a_Sustainable_Food_Future_1.pdf. April 2016. [2] ↑ Tackling climate change through livestock. Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen.http://www.fao.org/ag/againfo/resources/en/publications/tackling_climate_change/index.htm. Oktober 2014. [3] ↑ Margulis. Causes of Deforestation of the Brazilian Amazon. Weltbank.https://openknowledge.worldbank.org/bitstream/handle/10986/15060/277150PAPER0wbwp0no1022.pdf?sequence=1. Dezember 2003. [4] ↑ Ritchie. How much of the world’s land would we need in order to feed the global population with the average diet of a given country?. Our World in Data.https://ourworldindata.org/agricultural-land-by-global-diets. Oktober 2017. [5] ↑ No Time to Wait: Securing the future from drug-resistant infections. UN Interagency Coordination Group on Antimicrobial Resistance.https://www.who.int/antimicrobial-resistance/interagency-coordination-group/IACG_final_report_EN.pdf?ua=1. April 2019. [6] ↑ MorningStar Farms Will Be 100% Plant-Based by 2021.The Good Food Institute.https://www.gfi.org/morningstar-farms-announces-plans-to-become. März 2019. [7] ↑ GFI’s Massive Open Online Course Teaches the Basics of Plant-Based and Cell-Based Meat. The Good Food Institute.https://www.gfi.org/plant-based-cell-based-meat-mooc. Januar 2019.

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