Wie man Tieren am besten helfen kann

Weltweit gibt es viele Tiere, die unter einem qualvollen Leben in Gefangenschaft leiden, und zahlreiche Initiativen, die sich für ihren Schutz einsetzen. Allerdings gibt es auch im Bereich Tierwohl große Unterschiede zwischen der Wirksamkeit verschiedener Organisationen. Die effektivsten können mit dem gleichen Spendenbetrag über 100-mal mehr Tieren helfen als andere Organisationen.

Wie kommen solche immensen Unterschiede zustande?

Dafür gibt vor allem drei Gründe:

1. Wo sind besonders viele Tiere betroffen?

Es gibt viele Gründe, warum Tiere unsere Hilfe benötigen. Allerdings stellen einige wenige Probleme aufgrund der großen Anzahl an betroffenen Tieren alle anderen in den Schatten. Daher konzentrieren sich besonders effektive Organisationen auf die Felder, in denen außergewöhnlich viele Tiere leiden. 

In Deutschland beispielsweise leben nur ca. 80.000 Tiere in Tierheimen. Gleichzeitig werden hierzulande jährlich rund 754 Millionen Hühner, Schweine, Kühe und andere Tiere für die Nahrungsmittelproduktion gezüchtet und geschlachtet. 

Es gibt also in der Massentierhaltung mehr als 9.000 mal so viele Tiere, die unsere Hilfe benötigen, als in deutschen Tierheimen.

Mehr als 98% dieser Tiere leben im Rahmen der konventionellen Landwirtschaft unter qualvollen, nicht artgerechten Bedingungen. Biofleisch stellt mit weniger als 2% einen vernachlässigbaren Nischenmarkt dar.

Während der Gesetzgeber bei der Haltung von Hunden in Gehegen, abhängig von deren Größe, eine Fläche zwischen 6 und 10 Quadratmeter zwingend vorschreibt, müssen Schweine mit lediglich 0,75 Quadratmetern auskommen. Und das obwohl Studien zeigen, dass Schweine, die zum Zeitpunkt der Schlachtung deutlich mehr als 100 Kilo wiegen, intelligenter sind als Hunde. Sie können die Emotionen ihrer Artgenossen wahrnehmen und sogar einzelne Ferkel an deren individuellem Quieken erkennen. 

Die Bedingungen für andere Tierarten und in anderen Ländern sehen ähnlich aus. Weltweit werden jedes Jahr über 60 Milliarden Nutztiere geschlachtet, ein Vielfaches der weltweit gehaltenen Haustiere.

2. Die meisten Tiere, aber die wenigsten Spenden!

Ein weiterer Grund für die großen Unterschiede ist, dass der Großteil der Spenden nicht an die Tiere geht, die sie am dringendsten benötigen.

Auch in den USA leben über 99% der Tiere in der Massentierhaltung und weit unter 1% in Tierheimen. Trotzdem, gehen nur 0,8% der Spenden an Nutztierorganisationen (Leider ist es in Deutschland fast unmöglich, verlässliche Zahlen zum Spendenaufkommen zu erhalten). Auf jedes Tier in einem Tierheim kommen somit ca. 500 Dollar Spenden, während für jedes Tier in der Massentierhaltung nur ca. 0,2 Cent gespendet werden!

Die Spenden landen also nicht dort, wo sie am meisten Tieren helfen könnten und am dringendsten benötigt werden. Dadurch gibt es viele Organisationen, die sehr vielen Tieren helfen könnten, denen aber die dazu nötigen Mittel fehlen. 

Ein Beispiel: Die Unterbringung eines Tieres in einem Tierheim kostet pro Jahr über 1.000 Euro. Wie viel kann eine Spenderin erreichen, wenn der gleiche Betrag an eine besonders effektive Organisation gespendet wird, die sich für Nutztiere einsetzt? Eine solche Organisation ist z.B. The Humane League. Diese würde die 1.000 Euro unter anderem dafür nutzen, um im Dialog mit Unternehmen bessere Haltungsbedingungen zu erstreiten, Menschen davon zu überzeugen, ihren Fleischkonsum zu reduzieren, oder Forschung zu betreiben. Dadurch kann sie unabhängigen Berechnungen zufolge mit 1.000 Euro das Leben von mehreren Tausend Tieren signifikant verbessern.

3. Mehr als nur Tierleid.

Auch wenn für viele Tierschützer das durch die Massentierhaltung verursachte milliardenfache Tierleid im Vordergrund steht, gibt es davon unabhängige Gründe, sich dafür einzusetzen, den Konsum von Tierprodukten weltweit zu reduzieren. So ist die Massentierhaltung für ca. 14% der weltweiten Treibhausemissionen verantwortlich. Das ist mehr als der gesamte Verkehrssektor, also alle Autos, Flugzeuge und Schiffe der Welt zusammengenommen. Konkret verursacht beispielsweise die Produktion eines Kilogramms Rindfleisch über 22 kg CO2-Äquivalent, was einer Autofahrt von mehr als 100 Kilometern entspricht.

Darüber hinaus ist die industrielle Tierzucht für einen enorm hohen Wasserverbrauch verantwortlich, trägt durch die Produktion von Gülle zu einer Verunreinigung des Grundwassers bei und beschleunigt durch die übermäßige Nutzung von Antibiotika die Entstehung von multiresistenten Keimen.

Wie arbeitet Animal Charity Evaluators und warum orientieren wir uns an diesem Institut?

Wie in der Entwicklungszusammenarbeit und beim Klimaschutz unterscheidet sich die Wirksamkeit von Tierschutzorganisationen auch innerhalb besonders vielversprechender Bereiche erheblich.

Daher orientieren wir uns bei unseren Empfehlungen an der Arbeit von Animal Charity Evaluators (ACE), einer unabhängigen und gemeinnützigen Charity-Bewertungsorganisation. ACE ist die weltweit führende Organisation im Bereich der Wirkungsevaluierung von Tierschutzinitiativen. Sie hat sich darauf spezialisiert, herauszufinden, wie man im Bereich des Tierschutz mit seiner Spende die größte Wirkung erzielen kann. 

Dabei zeichnet sich ACE durch besondere Transparenz und Gründlichkeit aus. Das Team der 2012 gegründeten Organisation hat bereits über 350 Organisationen evaluiert. Derzeit geben sie aber nur vier Organisationen den Status einer “Top Organisation”. Jährlich werden neue Evaluierungen aufgrund aktueller Daten und Erkenntnisse erstellt und die bestehenden nochmals evaluiert. Diese werden dann zusammen mit detaillierten Berichten zu den einzelnen Organisationen und ausführlichen Begründungen der Entscheidungen auf ihrer Internetseite veröffentlicht.

Um „Top Organisation“ zu werden, muss eine Einrichtung sich auf von ACE identifizierte, besonders vielversprechende Maßnahmen konzentrieren. Diese zeichnen sich zum einen dadurch aus, dass sie das Potential haben, das Leben besonders vieler Tiere zu verbessern, und außerdem von anderen Initiativen vernachlässigt werden. In Kombination macht dies eine hohe Effektivität wahrscheinlich. Beispiele hierfür sind etwa der direkte Einsatz für Tiere in der Massentierhaltung oder die Entwicklung von wettbewerbsfähigen Alternativen zu tierischen Produkten. 

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, beginnt ACE mit einer detaillierten Analyse der jeweiligen Organisation. Dazu prüfen ACE-Arbeiter die Kosteneffektivität der jeweils umgesetzten Maßnahmen, bewerten die vergangenen Erfolge der Organisation und führen ausführliche Interviews mit Mitarbeitern und Förderern.

Mehr Informationen zu den einzelnen Empfehlungen sowie die Möglichkeit, steuerbegünstigt zu spenden findest Du in unserer Übersicht der Top-Organisationen im Bereich Tierschutz.

Unser Newsletter (Deine Daten sind bei uns sicher und wir spammen nie. Ehrenwort.)